„Katutura – der Ort, der mein Leben bis heute verändert und bereichert hat!“

Julia berichtet

Im Januar 2019 hieß es für mich: “Koffer packen!”. Ein lang ersehnter Wunsch war plötzlich nur noch wenige Tage von mir entfernt. Bereits als Kind stand für mich fest, dass ich irgendwann einmal in ein Land Afrikas reisen und dort viele benachteiligte und in ärmeren Verhältnissen lebende Menschen unterstützen möchte. Ursprünglich wollte ich nach Südafrika – Kapstadt – reisen, um an Aids erkrankten Kindern zu helfen. Letztendlich sollte meine Reise dann aber doch nach Namibia gehen - was wohl die beste Entscheidung meines Lebens war. In den Vorbereitungen auf diese Reise hat mich Lena sehr gut begleitet und unterstützt, sodass ich keine Sorge haben brauchte, etwas vergessen oder nicht bedacht zu haben. Ich war mir dessen bewusst, dass dieser Aufenthalt in einem fremden, fernen Land und einer fremden Kultur etwas mit mir machen wird. Dass er bis heute mein Leben Grund auf verändern wird, damit habe ich jedoch nicht gerechnet.

Noch nie in meinem Leben zuvor habe ich mich auf etwas so gefreut, wie auf die anstehenden vier Monate in Afrika. Es war der 31.1.2019 als ich in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, früh am Morgen ankam. Die Sonne war gerade aufgegangen und die warmen, orange-roten Farben am Himmel haben mich gleich in dieses Land verlieben lassen. Auf der Fahrt vom Flughafen ins noch Unbekannte und Ungewisse bin ich sofort begeistert gewesen von der landschaftlichen Weite dieses atemberaubend schönen Landes. Bewusst hatte ich mich dazu entschieden mir im Vorfeld nicht so viel über das Land anzuschauen oder anzulesen. Ich wollte meine eigenen, ganz unvoreingenommenen Erfahrungen mit dieser für mich absolut neuen Kultur, Mentalität und mit dem Leben in Namibia machen. Das einzige, das ich wusste, war, dass das Gästehaus “Wadadee House” nicht wie die meisten Gästehäuser in Windhoek in der Innenstadt liegt, sondern in Katutura, dem ehemaligen Township Windhoeks. Katutura heißt auf Otjiherero so viel wie: “Der Ort, an dem wir nicht leben wollen.” Als wir an meinem neuen Zuhause für die kommenden Monate angekommen sind, war ich dann mehr als positiv überrascht. Es ist wunderschön und der Ausblick vom Garten aus auf ganz Windhoek ist unbeschreiblich. Ich wurde von allen Menschen, egal ob den Nachbarn und damit Einheimischen, den anderen Volontären oder Lena und Shaun herzlichst willkommen geheißen und ich habe mich gleich als ein Teil der “Wadadee Familie” gefühlt.

Auf Grund meines bereits absolvierten Studiums der Sozialen Arbeit und Rehabilitationswissenschaften und der Tatsache, dass ich bereits seit ein paar Jahren fest im Berufsleben stehe, bat Lena mich darum, in den kommenden Monaten in ihr noch recht neues Herzensprojekt mit reinzugehen: dem von ihr selbst gegründeten Kinderheim “Home Inami”. Dort sollte ich die Hausmutter “Sheila” so gut es geht bei der Versorgung der dort lebenden Kinder unterstützen. Ich war dankbar für das Vertrauen, welches Lena mir schenkte, obwohl wir uns bis auf einen kurzen Kaffee in unserer gemeinsamen Heimatstadt Aachen noch nicht wirklich kannten. Gleich an meinem ersten Tag ging es für mich also ins “Home Inami”. Hier wurde ich freudig und mit offenen Armen empfangen und wusste von Sekunde eins an, dass es für mich verdammt schwer werden wird, diese liebenswürdigen Kinder, die teils bereits in ihren jungen Jahren heftige Schicksalsschläge erleiden mussten, in vier Monaten hier zurückzulassen. Im “Home Inami” lebten zu der Zeit acht Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren mit traumatischen Erlebnissen der vergangenen Jahre. Mein Tag im “Home Inami” begann meist damit, die Kinder nach dem Kindergarten oder der Schule zu Hause zu empfangen, das Essen zu verteilen und mit ihnen gemeinsam Mittag zu essen. Anschließend unterstütze ich die Schulkinder beim Erledigen der Hausaufgaben. In dieser Zeit konnte Sheila sich meist eine kleine Auszeit nehmen und sich mal zurückziehen, da sie ansonsten rund um die Uhr (alleine) für die Kinder da ist. Im Anschluss an die Hausaufgabenzeit war meist noch genug Raum und Zeit, um mit den Kindern zu spielen, zu basteln oder ihnen einfach nur zuzuhören. Es hat mich unglaublich berührt zu sehen, wie die Kinder sich untereinander unterstützen. Aus den acht Kindern, die aus vielen verschiedenen Ursprungsfamilien stammen, ist eine neue, liebevolle Familie entstanden, die füreinander da ist. Es herrscht ein liebevoller, warmer Umgang untereinander und im ganzen Haus herrscht eine friedliche Atmosphäre, ganz anders als ich es teils aus Kinder-Wohngruppen in Deutschland gewohnt war. Es ist selbstverständlich, dass insbesondere die größeren Sheila beim Kochen, Putzen und Waschen helfen. Aber auch die jüngeren Kinder packen so gut sie können mit an und helfen. Es dauerte nicht lange, bis ich die Kinder in mein Herz geschlossen hatte und auch sie sich mir anvertraut und geöffnet haben und ich als weitere Bezugsperson galt. Lena unterstützte mich in der Umsetzung all meiner Ideen. Nach einiger Zeit habe ich erfahren, dass ein Teil der Kinder noch nie das Meer gesehen hat. Also plante ich einen Tagesausflug nach Swakopmund ans Meer. Das Leuchten der Kinderaugen, als sie bei Eiseskälte ins Wasser rannten, mit den Wellen spielten und als Highlight noch eine kleine Delfinfamilie in unsere Bucht kam, werde ich wohl nie vergessen. Es sind einfach die kleinen Dinge des Lebens, die einen glücklich machen. Eine Aussage, die ich während meines gesamten Afrika-Aufenthalts immer wieder vor Augen geführt bekommen habe.

“Zuhause ist… wo die Liebe wohnt, Erinnerungen geboren werden, Freunde immer willkommen sind, Träume in Erfüllung gehen, Wärme & Herzlichkeit den Raum erfüllen und jederzeit ein Lächeln auf dich wartet.” Ich habe in Namibia ein weiteres Zuhause gefunden. Als es für mich Ende Mai zurück nach Deutschland ging, brach für mich zunächst eine Welt zusammen. Der wirkliche Kulturschock stand mir erst jetzt bevor - mit meiner Einreise zurück nach Deutschland. Es trat mir nicht mehr jeder meiner Nachbarschaft freundlich gegenüber, die Kassiererin quatschte nicht mehr nett mit mir an der Kasse - stattdessen konnte ich nicht schnell genug meinen Einkauf zusammenpacken. Die Menschen sind häufig gestresst und ich hatte das Gefühl, dass  sie haben oftmals das Schöne des Lebens vergessen haben und den Blick nicht mehr auf die wesentlichen Dinge gerichtet haben, wie unter Anderem Liebe und Gesundheit. Ich fing an, vieles zu hinterfragen und beschloss nach noch nicht einmal sechs Wochen, für die Sommerferien zurück nach Namibia zu fliegen.

Durch Wadadee habe ich nicht nur die Möglichkeit gehabt wunderbare Menschen kennenzulernen, sondern auch tolle, begleitete Reisen zu machen und somit die atemberaubende Vielfalt des Landes zu entdecken. Auf den Reisen habe ich mich stets sicher und gut aufgehoben gefühlt. Es gab köstliches Essen und einfach wahnsinnig viel zu sehen. Heute, Ende des Jahres 2020, ist mein Herz noch immer in Namibia. Ich arbeite nach wie vor an einer Förderschule in der Kölner Innenstadt, lebe in einer schönen Wohnung mit einer tollen Mitbewohnerin und habe gute Freunde und eine liebende Familie. Trotzdem fehlt für mich oft etwas. Oftmals fehlt mir die Leichtigkeit dieses Landes, und mir fehlen vor allem die Menschen in Namibia, die ich in so kurzer Zeit so unfassbar lieben gelernt habe.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Wadadee Cares als Organisation bedanken, die mir von Anfang an ein gutes Gefühl vermittelt hat. Ich habe zu jedem Zeitpunkt (sowohl während der Vorbereitung als auch vor Ort) eine Ansprechperson gehabt, die mich in all meinen Vorhaben unterstützt hat und mir stets zur Seite stand. Als besonders wertvoll habe ich den individuellen und persönlichen Kontakt zur Organisation empfunden. Außerdem möchte ich mich bei den Menschen vor Ort bedanken, die zu Freunden wurden, die mir Einblicke in ihre Kultur gewährten und die die Zeit für mich so einzigartig gemacht haben. Und nicht zuletzt möchte ich mich bei Sheila und den Kindern bedanken, die mich ein Teil ihrer Familien werden ließen und die ich immer tief in meinem Herz tragen werde. Danke, dass ihr meine Zeit in Namibia so besonders gemacht habt! Ich werde sie immer in Erinnerung behalten und tief in meinem Herzen tragen! ♥

 

 

 

 

 

Katutura, Namibia. „Der Ort an dem wir nicht leben wollen“ und der Ort an dem man leben lernt.

Zoi berichtet

Als mein Geschichtslehrer uns in der 12. Klasse mit der Kolonialisierung und dem Genozid in Namibia belehrte, war für mich der Entschluss gefallen dieses Land auf meine Bucket List zu setzen. Es sind ein paar Jahre zwischen diesem Entschluss und meiner Ankunft in Windhoek vergangen. Mittlerweile studiere ich Musikmanagement und hatte die Möglichkeit mein Auslandsemester in Windhoek zu absolvieren. Zusätzlich ließ mich der Gedanke nicht los, welches Leid den Menschen durch „die Deutschen“ zugefügt wurde und deshalb beschloss ich, mich so gut wie möglich in das Land und die Menschen zu integrieren. Und so stieß ich auf „Wadadee Cares“: 

Ich kam also im Juli 2019 in Katutura, dem ehemaligen Township von Windhoek, an und hatte erstmal einen kleinen Kulturschock. Das legte sich jedoch recht schnell, weil die Nachbarschaft sehr einladend und die Menschen sehr offen und herzlich sind. Durch mein Semester an der Universtiy of Namibia, hatte ich leider nicht die Zeit jeden Tag ein Projekt zu besuchen, aber Ericas Pre-Primary School war für mich mindestens zweimal die Woche ein lustiger, aber auch anstrengender Ausgleich zum Studium. 

Morgens sind bei Erica Babys, Kindergartenkinder und Vorschulkinder. Während die Babys hauptsächlich schlafen und ab und zu mal kuscheln wollen, werden die älteren Kinder auf die Schule vorbereitet und an eine gewisse Routine, wie Händewaschen, Zähneputzen, etc. gewöhnt. Dabei wird der Spaß natürlich nicht vergessen, denn der ist meiner Meinung nach auch beim Volontär sein generell die wichtigste Sache. Es gibt so viele kreative Möglichkeiten den Tag und das Lernen zu planen, auch ohne soziale Arbeit studiert zu haben.
Die Kinder lernen für ihre Zukunft und die ist in Namibia nicht wirklich glorreich. Daher ist es wichtig den Kindern eine schöne Kindheit zu bieten, die ihnen die besten Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Ich wiederum habe gelernt wieder meinen kindlichen Spaß zu haben und weniger die „Warums“ und Hürden zu hinterfragen. Dadurch viel es mir auch leichter das Leben und die Menschen Namibias zu verstehen und zu integrieren. 

Nachmittags kommen dann auch Jugendliche von unterschiedlichsten Schulen. Erst wird Mittag gegessen und dann setzt man sich zusammen an die Hausaufgaben. Sind diese erledigt wird gespielt und die Freizeit habe ich dann meistens mit den Kindern zusammen gestaltet. Nebenbei hat mir Ericas Sohn auch sehr viel geschichtliches Wissen beigebracht, was meinen Geschichtslehrer hätte bleich werden lassen. 

Insgesamt war Ericas Familie so herzlich, wie ich es selten erlebt habe. Nicht nur, dass ich meine Zeiten sehr flexibel legen konnte, ich wurde immer sehr freudig begrüßt und verabschiedet und auch privat haben wir uns gerne getroffen. 

Um nochmal auf die Kinder in diesem Kindergarten einzugehen, möchte ich etwas zu dem Ort sagen, in dem sie leben. Katutura ist das Viertel, in dem die größte Armut herrscht und in welches „die Schwarzen“ um 1960 zum Wohnen gezwungen wurden. Wer dort ein Kindergarten wie in Deutschland erwartet, wird lange suchen. Die Kinder kommen ebenfalls aus schweren Verhältnissen und das ist nicht zu unterschätzen. Denn auch unter Kindern kann es ja zu Streit kommen, weil das andere Kind hellere Haut oder weichere Haare hat. Deshalb fand ich es immer wichtig den Kindern auch diesen Ansatz des rassistischen Denkens auszureden. Namibia hat viel zu lernen und als Volontär würde man gerne vieles ändern, was aber leider nicht geht. Deshalb muss man sich über kleine Steps freuen.

Das „Wadadee House“ war fünf Monate mein Zuhause und ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt. Jeder der Verantwortlichen nimmt dich freundlich auf und versucht den Einstieg in dieses Land so angenehm und einfach, wie möglich zu machen. Natürlich gibt es immer mal Situationen, ob in der Uni, bei Wadadee oder im Kindergarten, die nicht so sind, wie man sie gerne hätte, aber ich persönlich hätte mich nirgendwo anders in Windhoek so wohl fühlen können, wie in Katutura. 

Mit Wadadee bin ich auch nach Etosha und Sossousvlei gefahren. Beide Reisen waren abenteuerlich, unvergesslich und als Student bezahlbar. Shaun, der Chef von „Wadadee Safaris“, Tourguide und „Wadadee House Papa“, weiß genau wo es was zu sehen gibt und wie man eine Gruppe auch um 6 Uhr morgens bei Stimmung hält. 

Auch meine Mitmenschen im Haus waren sehr offen und lustig. Das Grundstück hat uns immer wieder „Braais“ (so ähnlich wie BBQS) und Partys veranstalten lassen. Zum Beispiel hatten wir am 11.11.2019 das wohl wärmste Einstimmen in die Karnevalszeit in meinem Leben. Natürlich waren unsere namibischen Freunde auch immer dabei. Wie ich bereits sagte, sind die Menschen sehr herzlich und aufgeschlossen.

Deshalb vermisse ich sie auch heute sehr, zurück im grauen Deutschland, wo ich versuche mich wie ein afrikanisches Kind über die tausenden Liter von Regenwasser zu freuen. Ich denke zurück an Menschen, die meinen Geist bewegt haben, an ein Land was mich meine Identität hat hinterfragen lassen und ein Projekt, was mich in vielen Bereichen gefordert und gefördert hat. 

Oh Wadadee, I guess it`s the place to be. 

 

 

 

 

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge."

Marie berichtet

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich die Nachricht von Wadadee Cares erhalten habe, dass ich mein Praktikum in Namibia machen kann. Es war schon lange mein Traum gewesen, nach Afrika zu reisen und daher war ich super erleichtert. Ich hatte mich dazu entschieden, im Rahmen meines Studiums der Sozialen Arbeit, mein Praxissemester für 5 Monate im Ausland zu verbringen und bin dann auf die Organisation gestoßen, die mich direkt angesprochen hat. Lange Zeit hatte ich mich auf das Auslandssemester vorbereitet und viel Geld dafür gespart. Als ich also in Frankfurt in den Flieger gestiegen bin und es endlich los ging, konnte ich mir kaum vorstellen, was mich dort erwartet. 

Mein Ankunftstag im Wadadee House ist mir immer noch sehr gut in Erinnerung: Als ich nach meinem 10 Stunden Flug ankam wurde ich direkt mit dem Alltag dort konfrontiert. Eine andere Volontärin hat sich überhaupt nicht wohlgefühlt in ihrem Projekt, weshalb ich nun spontan für sie das Projekt übernehmen sollte. Natürlich hatte ich dann erstmal Respekt und war ziemlich gespannt, was mich dort erwartet. Im Nachhinein war es das Beste, was mir passieren konnte und ich bin unglaublich froh, diese Aufgabe übernommen zu haben: Ich habe in dem Kindergarten Naras gearbeitet, in dem ich als Volontär für die Vorschulklasse zuständig war. In der Klasse waren 25 Kinder im Alter von 5 Jahren, die sehr lebendig und aufgeweckt waren. Der „!Nara’s Kindergarden“ wurde von einer Einheimischen Frau in ihrem Vorgarten gegründet, da viele Kinder in ihrer Nachbarschaft nicht in die Schule gehen können. Gemeinsam mit der Hilfe ihrer Familie und der Unterstützung einer deutschen Lehrerin sowie den Volontären von Wadadee Cares hat sie dort für Rund 80 Kinder einen Ort zum Spielen und Lernen aufgebaut. Besonders am Anfang war es eine besondere Aufgabe, die Kinder in den Unterrichtsphasen ruhig zu bekommen und mit ihnen konzentriert zu lernen. Schon in den ersten Tagen ist mir aufgefallen, dass den Kindern ganz klar eine geregeltere Struktur und ein Ausgleich fehlt, weshalb ihnen die Konzentration oft sehr schwerfällt. Genau da habe ich mit meinem Projekt angesetzt, was ich für die Uni durchführen musste: Ich habe einen strukturierten Tagesablauf erstellt, den ich mit den Kindern Tag für Tag wiederholt habe. Dabei habe ich die Unterrichtsphasen klar von Spielphasen abgegrenzt und in den Pausen versucht dafür zu sorgen, dass die Kinder sich austoben um somit im Unterricht konzentrierter arbeiten können. Ich habe deshalb ein Morgenritual eingeführt, in dem ich mit den Kindern vor dem Unterrichtsbeginn rausgegangen bin und mit ihnen zu Musik ein Warm-up Programm gemacht habe. Für die zweite große Pause habe ich Bälle gekauft und den Kindern verschieden Ballspiele gezeigt, damit sie sich in den Pausen mehr bewegt haben und sich die Spielsituation mit ausschließlich zwei Schaukeln ausgleicht. Mit der Zeit haben die Kinder sich sehr gut an die Strukturen gewöhnt und der Unterricht hat von Tag zu Tag besser funktioniert. 

Außerdem habe ich selbst gemerkt, wie ich immer sicherer im Unterricht wurde und diese Aufgabe, die für mich eine völlig neue Erfahrung war, besser meistern konnte. Mir hat besonders gut gefallen, dass ich sehr selbstständig und frei arbeiten konnte und sowohl die Unterrichtsvorbereitung als auch der Unterricht allein meine Aufgaben waren. Ich habe daher zu jedem Buchstaben des Alphabets ein Arbeitsblatt erstellt und den Kindern so versucht, das ABC näher zu bringen. Bei Fragen und Problemen konnte ich die Einheimische Lehrerin immer um Hilfe bitten. Jeden Morgen aufs Neue habe ich mich auf die Arbeit mit den Kindern gefreut und es war besonders schön zu sehen, dass viele der Kinder am Abschluss des Schuljahres das ABC gelernt haben. Neben den Kindern hat man auch zu den Mitarbeitern der Vorschule eine freundschaftliche Beziehung aufbauen können und ich konnte von ihrer Arbeit mit den Kindern viel lernen. Am Ende meiner Zeit, was gleichzeitig auch das Ende des Schuljahres für die Kinder war, habe ich mit ihnen einen Ausflug zur Okapuka-Ranch gemacht, was wir von gesammelten Spendengeldern finanzieren konnten. Das war ein toller Abschluss und für viele der Kinder das erste Mal, dass sie wilde Tiere wie Giraffen oder Nashörner sehen konnten. 

Neben der Arbeit im Naras bin ich an drei Nachmittagen in der Woche noch in das Hope-Village gegangen, um den Kindern dort bei den Hausaufgaben zu helfen oder mit ihnen zu spielen. Die rund 90 Kinder und Jugendlichen dort sind sehr offen und freuen sich immer, wenn sie jemand besuchen kommt und Zeit mit ihnen verbringt. Für mich waren die Stunden dort eher wie Freizeit, ich habe mit den Kindern oft getanzt oder Spiele gespielt. Bei so vielen Kindern wusste man nie genau, was auf einen zukommt- so wurde es nie langweilig und es gab immer etwas zu tun. Auch hier hat mir besonders gut gefallen, dass man so selbstständig arbeiten konnte und daher habe ich auch gemerkt, wie man mit der Zeit immer kreativere Ideen hatte. Am Ende der Zeit habe ich mit den Kindern dort auch einen Ausflug in das Schwimmbad gemacht, was für die Kinder ein Highlight war, da sie nur selten das Heim verlassen. Der Ausflug konnte auch durch Spendengelder finanziert werden, die ich mit Hilfe meiner Familie und Freunde sammeln konnte.

Es gab außerdem immer wieder verschiedene Aktionen, bei denen man neben der Arbeit mithelfen konnte: Zum einen konnte ich bei den Renovierungsarbeiten des iNamis helfen, das aufgrund von Schwierigkeiten in ein neues Haus gezogen ist. Außerdem gab es verschiedene Anstreich- und Aufräumaktionen sowie den Bau eines Klettergerüstes bei Monicas Soupkitchen und das Anlegen eines Gemüsegartens. Ich fand es auch sehr schön, dass man sich jederzeit auch die anderen Projekte anschauen konnte und daher einen sehr vielfältigen Blick über die Arbeit bekommen hat. Man sollte sich bei seiner Arbeit allerdings bewusst darüber sein, dass neben den Kosten für die Unterkunft auch tägliche Fahrtkosten zu den Projekten anfallen, die man selbst übernimmt. Für Kosten, die innerhalb des Projektes anfallen, konnte man nach Absprache immer auf verschiedene Spendengelder zurückgreifen, was ich sehr hilfreich fand, um verschiedene Aktionen durchzuführen. 

Neben der Arbeit war bei Wadadee auch sonst so einiges los: Zunächst waren für mich die verschiedene Trips ein super Ausgleich zu der Arbeit. Ich habe so viele schöne Orte gesehen, die ich mir niemals hätte erträumen können. Hierbei war es auch immer sehr gut, dass man die Arbeit mit den Trips gut vereinbaren konnte und man das mit Lena absprechen konnte. Das Zusammenleben im Wadadee House war insgesamt auch sehr positiv und entspannt. Mit so vielen Menschen wurde es nie langweilig und es wurde zusammen gefeiert, gekocht oder sonstiges unternommen. Für mich war es schade, dass zu meiner Zeit nur selten internationale Gäste dort waren, sondern hauptsächlich deutsche Volontäre, da ich die Erwartung hatte, in meinem Auslandssemester viele Menschen aus aller Welt zu treffen. Dennoch hat die gemeinsame Sprache auch vieles erleichtert und die Zusammenarbeit sowie das Zusammenleben war angenehm, wodurch man sich nie allein gefühlt hat. 

Besonders gut hat mir an der Unterkunft die Lage gefallen, weil das Gästehaus anders als andere Hostels nicht in der Innenstadt liegt, sondern im Armenviertel Katutura, dort wo auch die Projekte sind. Dadurch hat man einen viel besseren Einblick in das Leben der Menschen bekommen und hat nicht nur die touristische Seite Namibias kennengelernt. Die Menschen der Nachbarschaft sind einem stets sehr freundlich begegnet und man hat sich sehr willkommen gefühlt. Mit der Zeit hat sich das Bewusstsein für die immer noch vorhandenen Unterschiede verschiedener Rassen und Hautfarben deutlich gestärkt, da man durchaus als Weißer in Katutura eine Ausnahme ist. Dieser Unterschied und die immer noch vorhandenen Vorurteile sind mir in Deutschland nie so deutlich geworden und ich denke, dass mir dies auch in vielen Situationen Zuhause in Erinnerung bleibt. Der Aspekt der Sicherheit war durchaus auch ein wichtiges Thema und ich musste mich vor allem Anfang daran gewöhnen, nicht wie in Deutschland einfach auf die Straße zu gehen ohne jegliche Bedenken. Aber auch hieran hat man sich schnell gewöhnt und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl oder unsicher gefühlt. 

Insgesamt kann ich sagen, dass die Zeit bei Wadadee Cares für mich eine großartige Erfahrung war, die ich nicht vergessen werde. Ich habe so viel dazu gelernt, sei es für mein Studium oder einfach für mich selbst. Wer als Volontär selbstständig Ideen einbringen, sich engagieren möchte und Lust hat zu helfen, der ist hier genau richtig. Natürlich gibt es auch, wie überall, Dinge, die nicht immer gut laufen und man findet immer etwas, was einen stört. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man aus seiner Zeit hier das Beste macht und selbst dafür verantwortlich ist, wie man diese Zeit gestaltet. Ich fahre nun, nach fünf Monaten voller neuer Erfahrungen, zurück nach Deutschland und gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich bin mir sicher, dass ich an all die Dinge in Namibia noch lange Zeit denken werde und bin gleichzeitig sehr dankbar, eine solche Zeit bei WadadeeCares erlebt zu haben. Vor allem aber hoffe ich, dass ich den Kindern der !Nara’s Vorschule einen guten Start in ihr Schulleben ermöglichen konnte und dass für sie, mit Hilfe von Wadadee Cares und vielen weiteren Helfern, eine gute Zukunft bereitsteht.

 

 

 

„Kinderlächeln, Kinderaugen und ein volles Tagebuch“

Laura berichtet

Das Gefühl, das ich hatte, als ich am 16. November 2017 um kurz nach 18 Uhr in München in mein Flugzeug stieg, lässt sich ganz gut mit meinem zu diesem Zeitpunkt noch leeren Tagebuch vergleichen:

Dass sich die vielen leeren Seiten füllen würden, wusste ich. Doch was dort letztendlich alles zu lesen sein wird, war noch ungewiss. Dass ich das nächste halbe Jahr in einem fremden Land, weit entfernt von meinem gewohnten Umfeld, leben würde, wusste ich. Doch was genau mich dort erwartete, wusste ich noch nicht. Doch genau dieses Gefühl machte es für mich so spannend. Das Gefühl der Ungewissheit, das Gefühl, an nichts Bestimmtes denken zu müssen, sondern sich einfach auf das bevorstehende Abenteuer einzulassen, alles auf sich zukommen zu lassen. Die Vorfreude war groß!

Neue Menschen kennenzulernen, empfinde ich als eine sehr spannende und wichtige Erfahrung. Für mich bedeutet es nämlich, neue Einstellungen und Ansichten zu unterschiedlichsten Themen kennenzulernen. Monica, die Gründerin meines Projekts, einer Suppenküche in Goreangab, war für mich eine solche Person. Sie gründete das „Home of Good Hope“ vor 11 Jahren, als ihre Tochter mit 16 Jahren an AIDS starb. Jeden Tag zu sehen, mit wie viel Herzblut sie sich um jedes einzelne der 800 Kinder, die jeden Tag zur Soupkitchen kommen, kümmert, berührte mich von Anfang an. Manche Kinder nehmen jeden Tag einen Fußweg von eineinhalb Stunden auf sich, um wenigstens einmal pro Tag eine warme Mahlzeit zu bekommen. Ich bin mir aber sicher, dass nicht nur das gute Essen der Grund ist, weshalb so viele Kinder jeden Tag zum Home of Good gelaufen kommen. Es ist vor allem die gute Atmosphäre, die Monica durch ihre liebevolle, konsequente Strenge schafft und die auch ich jeden Tag zu schätzen wusste. Die Zuneigung und Struktur, die die Kinder bei ihr erfahren, ist mindestens genauso wichtig wie die tägliche Versorgung mit Essen und Trinken.

Dass ich immer wieder kleinere Erfolge miterleben durfte, machte die Zeit hier in Namibia unvergesslich. So konnte ich zusammen mit Monica der 5-jährigen Zion nach einigen Höhen und Tiefen letztendlich das Leben retten, nachdem wir ihren Vater nach langem Überreden dazu bringen konnten, mit uns und seiner Tochter zum Arzt zu fahren. Seine Anwesenheit war notwendig, um mit seiner Einverständniserklärung Zion Blut abnehmen zu dürfen und so die Ursache für die immer schlimmer werdenden Ausschläge an ihrem ganzen Körper herausgefunden werden konnte. Zion jeden Tag schwächer werden zu sehen, war schlimm und machte mir bewusst, wie wenig sich hier Eltern oft um ihre Kinder sorgen. Nichts unternehmen zu können, weil die Eltern sich weigern, mit zum Arzt zu kommen, verärgerte mich sehr. Umso mehr freute es mich, als Zion nach regelmäßiger Einnahme der Medikamente wieder sichtlich fröhlich und gesund zur Soupkitchen kam. Ich beobachtete mit Freude, sie endlich wieder mit viel Appetit essen zu sehen.

Es gab auch Tage, an denen ich Dinge erlebte, die mich positiv überraschten und die mir die Augen öffneten. An einem Nachmittag im März fuhr ich mit einigen meiner Deutschschülerinnen in die Stadt, um mit ihnen ein Eis essen zu gehen. Abgesehen davon, dass einige der Mädels zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben in der Innenstadt waren, die ca. 8 km oder 15 Minuten mit dem Taxi von Katutura entfernt ist, brachte mich die Großzügigkeit von zwei der Mädchen zum Staunen.

Als die Mädels auf einem Spielplatz spielten und ich auf einer Bank saß, kam ein Betteljunge zu mir und ich gab ihm ein paar unserer Trauben ab, bevor er weiterlief. Als ich ihn schon gar nicht mehr sah, liefen Febelonia und Lovisa an mir vorbei in Richtung des Jungen. Erst jetzt bemerkte ich, was sie vorhatten. Sie hatten sich von ihren letzten 10$ Bonbons gekauft, von denen sie einige nun tatsächlich dem Jungen abgaben, und das, obwohl sie sich die Bonbons von ihrem eigenen Geld gekauft hatten und ohne dass sie jemand dazu aufforderte. Sie hatten wohl verstanden, dass es dem Jungen noch schlechter geht als ihnen selbst und wollten ihm eine Freude machen. Das zu beobachten, war eines der schönsten Erlebnisse und machte mich sprachlos.

 

„...und weißt du, Laura, am traurigsten macht mich, dass ich nie die Möglichkeit haben werde, dich in Deutschland besuchen zu kommen.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Febelonia, die mir über die Zeit sehr ans Herz gewachsen ist, am Tag meines Abschieds von mir. Worte, die ich erst viel später, Tage nach meinem Abschied, realisierte. Worte, die genau so gemeint waren, wie sie gesagt wurden. Worte eines Mädchens, das sich mir öffnete. Worte, die mich mitten ins Herz trafen. Worte, die mich immer an eine aufregende und einzigartige Zeit voller Höhen und Tiefen erinnern werden.

Nach über sechs Monaten ist mein Tagebuch nun bis auf die letzte Zeile voll, gefüllt mit jeder Menge Erlebnissen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Gefühl, das ich hatte, als ich am 3. Juni 2018 in mein Flugzeug zurück nach Hause stieg, war zwar nicht so aufgeregt wie noch sechs Monate zuvor, doch war ich glücklich. Glücklich, so viele tolle Menschen kennengelernt zu haben. Glücklich, immer wieder kleine Ziele erreicht zu haben. Glücklich, Dinge erlebt zu haben, die mir die Augen für vieles geöffnet haben.

Malin und Madita erzählen von ihrem Alltag

 

 

 

„Eine Zeit, von der ich noch lange erzählen werde."

Johannas Erfahrungen

Fünf Monate liegen zurück und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Wadadee hat mir so vieles ermöglicht: Nein, ich konnte natürlich nicht die Welt verändern, aber ich konnte mit meinen Händen anpacken und helfen, kleine Ziele zu erreichen. Unter anderem konnte ich einige Kinder und Lehrer in der Schule unterstützen, zahlreichen Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern, den Kindern eine warme Mahlzeit ermöglichen und Wände, Klassenräume und Spielplatzgeräte streichen. Ich bekam die Möglichkeit, das wahnsinnig eindrucksvolle Namibia samt seiner Kulturen, Traditionen und Landschaften kennenzulernen. Und zu Letzt konnte ich aus Freunden eine Familie werden lassen.

Ich hatte bei Wadadee Cares die Rolle eines „Versuchskaninchens“. Vielleicht bin ich im Endeffekt in keinem Projekt so richtig angekommen, dafür hatte ich die Möglichkeit, in mehrere Projekte einen Einblick zu bekommen. Meine ersten sieben Wochen arbeitete ich an einer Gehörlosenschule. Aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten und dem Gefühl, sowohl den Kindern als auch den Lehrern nicht wirklich helfen zu können, beendete ich schweren Herzens die Arbeit an dieser Schule. Als Übergangslösung vertrat ich Malin und Madita in Anna’s Kindergarten und übernahm dort den Unterricht in der Vorschulklasse. Nach den Ferien, in denen wir viele Tage im Hope Village gestrichen haben, fing ich an der inklusiven Schule für Sehbeeinträchtige Kinder an zu arbeiten. Dort unterstützte ich die Lehrerin der Vorschulklasse und machte es mir in erster Linie zur Aufgabe, den blinden Jungen in den Unterricht zu integrieren. In den folgenden Ferien unterstützte ich Laura und Julie in der Suppenküche und half Jeannie im Love Your Neighbour Kindergarten die Klassenräume zu verschönern. Eines trifft denke ich auf alle Projekte zu: Man muss Eigeninitiative zeigen und sich selbstständig Aufgaben suchen.

An den Wochenenden, oder manchmal auch zwischendurch, blieb genügend Zeit, um Namibia und die angrenzenden Länder zu erkunden. Der Süden Afrikas hat mich mit seiner unendlichen Weite, seinen Farben und seiner Vielfalt an Tieren, Landschaften und Stämmen beeindruckt. Gemeinsam mit den anderen Volontären auf Reisen zu gehen, tausende Kilometer zurückzulegen und unvergessliche Erlebnisse zu sammeln war ein riesiges Geschenk für mich.

Dazu kommt das tägliche Leben im Wadadee House, das durch die unterschiedlichen Persönlichkeiten, Unternehmungen und viel gemeinsames Lachen nie langweilig wurde. Manch einer von euch mag sich eventuell Sorgen darüber machen, im armen Teil Windhoeks zu leben doch gerade dies führte dazu, dass ich das „echte“ Leben vieler Afrikanerinnen und Afrikaner kennenlernen konnte. Der ständige Kontakt zu den Einheimischen, ob im Projekt oder beim Einkaufen, und die dadurch tägliche Präsenz der vorherrschenden Armut waren prägend für mich. Zeitgleich waren aber auch die strahlenden Augen der Kinder und deren unbeschwertes Lachen sehr erfüllend und eine Bestätigung für meine Entscheidung nach Namibia zu kommen.

Ich kann diese Erfahrung nur jedem ans Herz legen!

Danke Wadadee Cares! Danke Lena! Und ebenso ein riesengroßes Dankeschön an meine Familie für diese erlebnisreiche Zeit!

Pauls und Max Leben in Windhoek

 

"Vor dem Abflug nach Namibia gab es noch ein paar Dinge zu erledigen. Dazu gehörte vor allem die Beantragung des Visums, für das man verschiedene Unterlagen benötigt. Da das schon mal etwas länger dauern kann,solltet ihr euch diese schon einige Monate vor eurem Aufenthalt beschaffen.
Dabei halfen uns Lena Palm und ihre Mutter Petra Bauer, unter anderem mit einem gemeinsamen Vortreffen aller Volontäre, die zur selben Zeit ein soziales Praktikum in Namibia absolvieren wollten.
Lena und Petra leiten gemeinsam die Aachener Organisation Wadadee Cares, über die ihr nach Namibia gelangt, und stehen euch bei Fragen immer zu Verfügung. Als dann alle Vorbereitungen getroffen waren, ging es auch schon los.

Am Flughafen in Windhoek angekommen, wurden wir von Shaun Awaseb, dem Besitzer des Wadadee House abgeholt. Er ist in Katutura aufgewachsen und darum zusammen mit Lena euer Ansprechpartner vor Ort. Das Haus hat Platz für ca. 30 Gäste mit unterschiedlich großen Zimmern (Einzel bis 8 Bett-Zimmer).
Neben der großen Gemeinschaftsküche gibt es noch dazu ein Wohnzimmer und nicht zuletzt eine Pool-Area mit Billardtisch und Musikanlage. Das Haus befindet sich im Armenviertel Katutura, im selben Stadtteil wie auch unsere Arbeitsstätte, der Love Your Neighbour Vorschule - eine Wellblechhütte, die gleichzeitig das Zuhause der Familie Swartz ist.

Geleitet wird die Vorschule von Alida Swartz und ihren vier Töchtern (Veronica, Bona, Trudy, Mary), die sich von 8.00Uhr bis 17.00Uhr um die Kinder im Alter von 0-6 Jahren sorgen.
Unsere Aufgabe bestand darin, einem Teil der ca. 200 Kinder Lesen und Schreiben näher zu bringen. Da einige Kinder nicht wirklich Englisch verstanden und nicht immer auf uns hören wollten, gestaltete es sich öfters als schwierig, den Kindern das Schreiben von Buchstaben, Zahlen und ihren Namen beizubringen. Dabei wurden wir aber immer sehr von Alida und ihren Töchtern, auch in Form von Lernmaterialen, unterstützt. Neben dem Unterricht in der Vorschule, hatten wir noch zahlreiche andere Aufgaben. Dazu gehörten vor allem Monatseinkäufe für die Familie und Arztbesuche mit Kindern und deren Eltern. Alles unterstützt von Spendengeldern von Wadadee Cares.
Ein großes Highlight für uns war der Bau einer neuen Wellblechhütte für eine sehr arme Familie im Viertel „Okuryangava“, welche zuvor in einer notdürftig zusammengeflickten Behausung gelebt hatte. Es war eine tolle Erfahrung alle nötigen Materialien dafür zu beschaffen und einer Familie ein neues und schöneres Zuhause zu geben. Gearbeitet haben wir Montags bis Freitags von 8:30 bis 14:00Uhr, das waren 2 Unterrichtsstunden mit Pause und abschließendem Spielen.

Danach ging es für uns zurück ins Gästehaus. Der Rest des Tages stand uns zur freien Verfügung. In dieser gingen wir Einkaufen, entspannten am Pool oder besuchten noch für einige Stunden die Kinder aus dem Waisenhaus „Hope Village“. Auch abends kann man in Windhoek verschiedene Dinge unternehmen: Bars, Clubs und Restaurants findet man in der Innenstadt und sind mit dem europäischen Standards absolut zu vergleichen. Besonders die Karaokebar „Warehouse“ wird uns immer in Erinnerung bleiben. Alle unsere Ziele in der Stadt erreichten wir mit dem Straßentaxi, welches das einzige öffentliche Verkehrsmittel in Windhoek ist. Abends und nachts ist es jedoch empfehlenswert ein etwas seriöseres Taxi (Dail-a-cab) zu bestellen.

Generell wurde das Leben in Namibia und vor allem im Wadadee House nie langweilig. Oft wird zusammen gekocht oder eine Wadadee-Party mit allen Volontären und den einheimischen Bekanntschaften gefeiert. Das Zusammenleben mit anderen Menschen aus verschiedensten Ländern in der Wadadee-Family brachte nicht zuletzt viele neue Freundschaften und tolle Momente, auch auf den Reisen, mit sich.

Über Wadadee African Safaris bekamen wir die Möglichkeit, insgesamt fünf verschiedene Trips zu den unterschiedlichsten Zielen innerhalb und außerhalb Namibias zu buchen. Dazu gehören drei Wochenendtrips zum Nationalpark „Etosha“, in die Namib Wüste und nach Swakopmund an die Westküste Namibias. Außerdem gibt es einen 12-tägigen Trip durch Namibia und Botswana bis zu den Victoriafällen in Simbabwe, sowie eine 6-tägige Tour nach Kapstadt in Südafrika. Bei fast allen Reisen wurden wir von Shaun und James begleitet und haben in Namibias unglaublicher Landschaft die Zelte aufgeschlagen. Der Tagesablauf war von Shaun mit den verschiedensten Aktivitäten geplant, vom Wasserrafting im Zambezi-River, bis hin zum Sandboarding in der Wüste. Die Trips in Namibias „Outback“ waren eine tolle Erfahrung und eine gute Abwechslung zum Stadtleben in Windhoek.

Alles in allem waren die 6 Monate in Namibia viel zu schnell vergangen und die bisher schönste und erlebnisreichste Zeit unseres Lebens. Die Menschen dort sind immer sehr freundlich zu einem und erleichterten uns so den Alltag, egal ob in der Vorschule, im Taxi oder beim Einkaufen.
Obwohl uns selber nichts Beunruhigendes widerfahren ist, sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass Namibia ein Entwicklungsland ist und es vielleicht auch den ein oder anderen härteren bzw. ungewohnten Moment geben wird. Denn im Vergleich zu Deutschland spielen hier Themen wie Armut, Krankheiten und Kriminalität eine deutlich größere Rolle. Davon sollte man sich jedoch nicht einschüchtern lassen, denn solange man sich an gewisse Regeln hält, die Lena und Shaun euch auch immer wieder mit auf den Weg geben, wird man eine wunderbare Zeit in einem tollen Land erleben."

Robert und Michael berichten

 

Nach dem Abitur stand für Robert und mich fest: Direkt weitermachen mit einem Studium war keine Perspektive, die wir uns vorstellen konnten. Wir wollten praktisch tätig werden, Einblicke in das Leben außerhalb des Lernalltags von Schule und Studium gewinnen. Daher gingen wir für 6 Monate nach Namibia und haben uns bei Wadadee cares als freiwillige Helfer engagiert.