Sechs Monate in Namibia. Sechs Monate voller neuer Erfahrungen, Herausforderungen, Begegnungen und Momente, die mich nachhaltig geprägt haben. Mein Volontariat bei Wadadee Cares war eine Zeit, in der ich nicht nur ein anderes Land und eine andere Kultur kennenlernen durfte, sondern auch viel über mich selbst gelernt habe. Meine Verbindung zu Wadadee Cares begann bereits Mitte 2024. Während eines Urlaubs mit meinen Eltern in Namibia kam ich mit Menschen ins Gespräch, die mir von ihrer Arbeit als Volontäre und von den verschiedenen Projekten erzählten. Die Einblicke in ihre Erfahrungen haben mich sofort interessiert. Schon damals stand für mich fest, dass ich selbst zurückkehren und für mehrere Monate als Volontär mitarbeiten möchte. Im März 2025 war es schließlich so weit. Nach einem langen Flug kam ich in Namibia an. Ich war aufgeregt, gespannt und gleichzeitig etwas unsicher, was mich in den kommenden Monaten erwarten würde. Die ersten Tage waren überwältigend, doch schon bald begann ich, mich einzuleben. Bereits wenige Tage nach meiner Ankunft ging es auf eine Reise zu den Victoria Falls. Diese Reise war für mich ein wichtiger Start in meine Zeit in Namibia. Ich lernte die anderen Volontäre kennen, knüpfte erste Freundschaften und bekam gleichzeitig die Möglichkeit, einen Teil des Landes und der Region zu entdecken. Auch während der folgenden Monate durfte ich viele Orte kennenlernen und zahlreiche gemeinsame Reisen und Ausflüge erleben. Besonders diese gemeinsamen Erlebnisse haben uns als Gruppe zusammengeschweißt und Freundschaften entstehen lassen, die weit über das gemeinsame Volontariat hinausgehen.
Mein Projekt: Monica’s Soup Kitchen
Ein großer Teil meiner Arbeit fand in Monica’s Soup Kitchen statt. Gemeinsam mit anderen Volontären unterrichtete ich dort jeden Vormittag eine Gruppe von Kindern. Der Unterricht fand in einer kleinen Wellblechhütte statt, in der täglich etwa 20 bis 25 Kinder auf uns warteten. Die Kinder waren zwischen fünf und 14 Jahre alt. Entsprechend unterschiedlich waren auch ihre Kenntnisse und Lernstände. Wir unterrichteten unter anderem Mathematik und Englisch, beschäftigten uns mit dem Alphabet und vermittelten grundlegende schulische Inhalte. Um den unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden, teilten wir die Kinder in drei Gruppen mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen ein. Besonders am Anfang stellte ich mir häufig die Frage, wie ich dieser Aufgabe gerecht werden sollte. Die Arbeit mit einer so unterschiedlichen Gruppe von Kindern war für mich zunächst ungewohnt und teilweise auch herausfordernd. Mit der Zeit entwickelte ich jedoch immer mehr Sicherheit und fand meinen eigenen Umgang mit den Kindern und dem Unterricht. Der Unterricht dauerte in der Regel etwa eineinhalb Stunden. Anschließend gab es eine Frühstückspause. Viele Kinder brachten kleine Snacks von zu Hause mit. Besonders beeindruckend fand ich, wie selbstverständlich sie miteinander teilten und aufeinander achteten. Nach der Pause folgten häufig kreative Aktivitäten. Wir malten Mandalas oder freie Bilder und gaben den Kindern die Möglichkeit, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Auch Musik und Tanz gehörten regelmäßig zum Vormittag. Mit einer kleinen Musikbox wurde getanzt, gesungen und gelacht. Gerade diese scheinbar einfachen Momente gehörten für mich zu den schönsten Teilen des Tages. Gegen 11 Uhr begann der nächste wichtige Teil unserer Arbeit. In einer separaten Hütte wurde täglich frisch gekochtes Essen ausgegeben. Gemeinsam versorgten wir jeden Tag zwischen 1.000 und 1.500 Kinder mit einer warmen Mahlzeit. Unsere Aufgabe bestand unter anderem darin, das Essen gleichmäßig zu portionieren. Gleichzeitig bereiteten wir Essensboxen für Kinder vor, die ihre Mahlzeit mit nach Hause nehmen wollten. Während ein Teil der Kinder vor Ort aß, kümmerten wir uns um die Ausgabe und Vorbereitung der weiteren Mahlzeiten. Wenn anschließend noch Zeit blieb, half ich beim Abwasch oder verbrachte Zeit mit den Kindern auf dem Spielplatz. Dort wurde Fußball gespielt, geschaukelt, geklettert, getanzt und einfach gemeinsam Zeit verbracht. Gegen 13 oder 14 Uhr endete unser Arbeitstag. Nach einer Dusche und einer kurzen Pause begann häufig bereits die Vorbereitung für den nächsten Unterrichtstag. Da uns kein Drucker zur Verfügung stand, erstellten wir Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterialien vollständig von Hand. Dadurch wurde selbst die Unterrichtsvorbereitung zu einem festen Bestandteil unseres Alltags. Ein besonders schöner Moment während meiner Zeit bei Monica’s Soup Kitchen war die Möglichkeit, sechs Kindern aus unserer Klasse durch Spenden einen dauerhaften Schulbesuch zu ermöglichen. Zu wissen, dass dadurch langfristig neue Möglichkeiten für diese Kinder entstanden, war für mich etwas ganz Besonderes. Auch der wöchentliche Einkauf gehörte zu unserem Alltag. Jeden Montag kauften wir die wichtigsten Lebensmittel für die kommende Woche ein. Dabei mussten wir genau überlegen, wofür das zur Verfügung stehende Geld eingesetzt wurde. Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln und Maismehl standen dabei im Mittelpunkt. Frisches Fleisch konnten wir aufgrund des begrenzten Budgets nicht immer kaufen. Neben der Arbeit entstand mit der Zeit auch ein enger Kontakt zu unseren Kollegen. Einige Male gingen wir nach Feierabend gemeinsam Billard spielen. Diese Abende waren eine willkommene Abwechslung und gaben uns die Möglichkeit, unsere Kollegen auch außerhalb des Projekts besser kennenzulernen.
Freizeit und Alltag
Neben der Arbeit blieb natürlich auch Zeit, Namibia außerhalb des Projekts kennenzulernen. Gemeinsam mit den anderen Volontären verbrachte ich meine freie Zeit mit Sport, Ausflügen und verschiedenen Aktivitäten. Ein fester Bestandteil meines Alltags war das Fitnessstudio. Das Power Flex Gym wurde für mich zu einem Ort, an dem ich einen Ausgleich zur Arbeit fand und gleichzeitig einen Teil meines gewohnten Alltags beibehalten konnte. Auch die Einkaufszentren gehörten zu unserem Alltag. Dort trafen wir uns, gingen etwas essen oder bummelten durch die Geschäfte. Neben diesen alltäglichen Aktivitäten waren es vor allem die gemeinsamen Reisen und Ausflüge, die meine Zeit in Namibia geprägt haben. Sie ermöglichten mir, das Land aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen und gleichzeitig besondere Erinnerungen mit den Menschen zu sammeln, mit denen ich diese Zeit verbringen durfte.
Mein Fazit
Wenn ich auf meine sechs Monate in Namibia zurückblicke, fällt es mir schwer, diese Zeit in wenigen Worten zusammenzufassen. Es gab schöne Momente, schwierige Situationen, Tage, an denen vieles leichtfiel, und andere, an denen ich an meine Grenzen gekommen bin. Gerade diese Mischung hat die Zeit für mich so wertvoll gemacht. Namibia hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können und wie schnell sich die eigene Perspektive verändern kann, wenn man seinen gewohnten Alltag verlässt. Viele Dinge, die für mich in Deutschland selbstverständlich sind, habe ich während dieser sechs Monate neu schätzen gelernt. Gleichzeitig habe ich erfahren, dass Zufriedenheit nicht unbedingt von materiellen Dingen abhängt. Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und die Fähigkeit, sich über kleine Dinge zu freuen, können einen genauso großen Wert haben. Besonders die Arbeit mit den Kindern hat mich geprägt. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig Geduld, Verantwortung und Verlässlichkeit sind. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel man selbst zurückbekommt, wenn man bereit ist, Zeit und Energie in andere Menschen zu investieren. Ich bin mit der Vorstellung nach Namibia gegangen, anderen Menschen etwas zurückgeben zu können. Am Ende habe ich selbst mindestens genauso viel mitgenommen. Erfahrungen, Freundschaften, neue Perspektiven und Erinnerungen, die mich auch in Zukunft begleiten werden. Diese sechs Monate waren für mich bis heute eine der prägendsten und schönsten Zeiten meines Lebens. Ich würde jedem empfehlen, sich die Möglichkeit zu geben, für längere Zeit in ein anderes Land zu gehen, sich auf eine neue Umgebung einzulassen und den eigenen Alltag bewusst hinter sich zu lassen. Man lernt dabei nicht nur ein anderes Land kennen, sondern vor allem auch sich selbst. Namibia wird für mich deshalb immer mehr sein als ein Ort, an dem ich sechs Monate verbracht habe. Es ist ein Teil meiner persönlichen Geschichte geworden und ein Land, das ich mit vielen besonderen Menschen, Erfahrungen und Erinnerungen verbinde.




